Speiseröhre bei Operation verletzt: OLG spricht 20.000 € Schmerzensgeld zu

Datum

12.01.2016

Art des Beitrags

Rechtstipp

Wer durch einen operativen Eingriff an der Bandscheibe im Bereich der Halswirbelsäule eine Verletzung der Speiseröhre erleidet, hat auch dann einen Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn der behandelnde Chirurg zwar ärztlich fachgerecht vorgeht, sich während der Operation aber nicht über die konkrete Lage der Speiseröhre vergewissert hat. Dies hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einem Urteil entschieden und einem Patienten ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 € zugesprochen (Az.: 26 U 182/13).

Schnittverletzung ist ärztlicher Behandlungsfehler

Der Patient konnte im gerichtlichen Verfahren die Richter des OLG davon überzeugen, dass der Chirurg während der ansonsten regelgerechten Operation nicht den ihm obliegenden Kontrollaufgaben nachgekommen war. Insbesondere hatte der Chirurg es während eines Schnittes mit einer Schere unterlassen, zu kontrollieren, wo die Speiseröhre des Patienten tatsächlich begann. Als der Chirurg dann den Schnitt ausführte, kam es zu zwei Schnittverletzungen der Speiseröhre. In der Folge musste der Patient notfallmäßig operiert und für etwa fünf Monate mit einer Magensonde ernährt werden. Die Richter des OLG werteten diese Nachlässigkeit zwar lediglich als „einfachen“ Behandlungsfehler, der aber nichtsdestotrotz den Ersatz von Schaden und die Zahlung eines Schmerzensgeldes rechtfertige.

Entscheidung lässt sich auf andere Fälle übertragen

Auch wenn Geld die nach einer fehlerhaften Operation erlittenen Schmerzen nur bedingt kompensieren kann, sollten Betroffene die Angelegenheit nicht ruhen lassen. Zwar sind Schadenersatz und Schmerzensgeld stets von den Umständen des konkreten Einzelfalles abhängig, nichtsdestotrotz macht die hier beschriebene Entscheidung Mut, erfolgreich gegen ärztliche Fehler vorzugehen. Der vorliegende Fall ist hinsichtlich der durchgeführten Operation und der erlittenen Verletzung denkbar speziell. Allerdings lässt sich das „Grundmuster“ der Gründe für die richterliche Entscheidung auch auf andere Fälle operativer Eingriffe übertragen: Vergewissert sich der Chirurg während einer Operation nicht darüber, ob nicht betroffene Körperteile durch seine Handlung unverletzt bleiben und diese werden verletzt, kann ein vermeidbarer Behandlungsfehler vorliegen.

In entsprechenden Fällen gilt es stets, das Gericht von dem Vorliegen eines vermeidbaren Behandlungsfehlers zu überzeugen. Hiergegen wehren sich Ärzte und ihre Versicherungen natürlich regelmäßig nach allen Regeln der Kunst, um Schadenersatzansprüchen aus dem Weg zu gehen. Um die eigenen Ansprüche richtig begründen zu können, sollten Patienten sich von einem auf Arzthaftung spezialisierten Fachanwalt für Medizinrecht helfen lassen.

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