Zu spät erkannter Darmverschluss: 90.000 Euro Schmerzensgeld und lebenslange Schäden

Datum

24.06.2015

Art des Beitrags

Rechtstipp

Ein spektakulärer Fall ging kürzlich in Hamm durch die Gerichtsbarkeiten (Urteil vom 21.11.2014 – 26 U 80/13). So verläuft die traurige Geschichte: Eine Frau klagt über Übelkeit und geht zum Hausarzt. Der tut das Richtige und weist sie ins Krankenhaus ein, damit das Übel untersucht würde. Allerdings wird die Dame auf der Station der „Inneren Medizin“ zunächst nur mit Medikamenten versorgt und so oberflächlich untersucht, dass die Ärzte die Ursache nicht finden. Nach einer Woche des Leidens wird schließlich eine Röntgenuntersuchung des Darms angeordnet. Allerdings ziehen die Ärzte auch hier noch keine helfenden Konsequenzen: Sie erkennen zwar Hinweise auf einen Darmverschluss, gehen diesen jedoch nicht entschlossen genug nach.

Viel zu spät erkannt: Nur noch Not-OP kann helfen!

Es kommt, wie es kommen muss: Der Zustand der Patientin verschlechtert sich rapide, bis sie operiert wird und sich das ganze Elend offenbart. Ein Teil ihres Darms ist abgestorben, der Darm ist perforiert – und in der Folge der Verkettung an Fehleinschätzungen und des Fehlhandelns leidet die Patientin an einer dauerhaften Schädigung der Geschmacksnerven, Leistungsfähigkeits-Einschränkung des Dünndarms mit Mangelerscheinungen, hat Osteoporose, wiegt 15 kg weniger, ist 7 cm kleiner und mittlerweile arbeitsunfähig und depressiv.

OLG Hamm entscheidet: 90.000 € Schmerzensgeld für die falsch behandelte Patientin

Das Oberlandesgericht Hamm (OLG) nahm sich des Falles an und erstellte in diesem Fall einen glasklaren Befund: Das Krankenhaus hat erforderliche Untersuchungen und andere therapeutische Maßnahmen aus Unachtsamkeit unterlassen, sodass nur noch eine Notoperation helfen konnte. Bei dieser – wie der Name schon sagt – kann auch nur noch das Nötigste gerettet werden. Mit großer Sicherheit sei das Absterben des Darms und dessen Perforation durch eine rechtzeitige Diagnose zu verhindern gewesen. Auch das Kurzdarmsyndrom sei Folge der fehlerhaften Einschätzungen der Ärzte. Weiterhin sind die Mediziner auch für die Depressionen und die Arbeitsunfähigkeit verantwortlich. Die Richter des OLG sprachen der Patientin 90.000 € Schmerzensgeld aufgrund der fehlerhaften Behandlung zu.

Wer das Leid hat, sollte nicht auch noch selbst klagen müssen

Solche fehlerhaften Behandlungen beginnen oft mit Kleinigkeiten. Übersieht der Arzt nur ein Detail, sind häufig die Konsequenzen für den Patienten sehr schwerwiegend. Und dann hat der Betroffene schon genug mit dem eigenen Krankheitszustand zu kämpfen. Da ist es hilfreich und entlastend, die rechtlichen Streitigkeiten von einem Fachanwalt im Medizinrecht klären zu lassen – vor allem, wenn man zumindest monetäre Entschädigungen im angemessenen Maße für sich in Anspruch nehmen will.

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